Offener Brief: Ansteckungsgefahr in Schulen und Schulbussen

Sehr geehrte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, sehr geehrte Landrätinnen und Landräte,

alle Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft sind sich einig, dass Schulen so früh wie irgend vertretbar geöffnet werden müssen. Die Vertretbarkeit wird jedoch maßgeblich von den hygienischen Bedingungen vor Ort bestimmt. Letztere sind keineswegs gottgegeben: In Bayern stehen 37 Millionen Euro zur Anschaffung von Luftfilteranlagen(1) bereit. Diese Mittel werden nach unserer Kenntnis nur äußerst zögerlich abgerufen, daher sind bisher nur wenige Schulen mit solchen Geräten ausgestattet.

Von einigen Eltern bekamen wir gespiegelt, dass sich die Sachaufwandsträger auf ein baldiges Ende der Pandemie berufen - unter diesem Aspekt sei der Preis für die Geräte zu hoch. Diese Begründung muss spätestens seit dem Auftreten von Mutanten des Coronavirus als überholt gelten. Zu Beginn der Pandemie, vor etwa einem Jahr, wurde bereits vor einer zweiten Welle gewarnt. Wo damals nicht gehandelt wurde, herrschen jetzt – mittendrin in dieser! – nach wie vor dieselben unzulänglichen Bedingungen. Wir sehen aber bereits der dritten Welle - mit Virusmutanten - entgegen. Vor diesem Hintergrund immer noch keine Vorsorge zu treffen, ist grob fahrlässig. Die Pandemie wird uns länger begleiten, als wir uns ausrechnen können. Um Schulen verlässlich offen halten zu können, muss jetzt gehandelt werden!

Dass die Effizienz der reinen Fensterlüftung an Grenzen stößt und von vielen Faktoren gestört wird, wurde oft genug publiziert und wird daher als Ihnen bekannt vorausgesetzt. Überdies muss zur Fensterlüftung ständig der Unterricht unterbrochen werden. Dies ist nach Monaten des Distanzunterrichts und großer Lernrückstände längst kein Luxusproblem mehr! Ebenso dürfte die fehlende Empfehlung des Umweltbundesamtes für Filteranlagen als überholt bekannt sein, da sie maßgebliche Untersuchungen zu deren Wirksamkeit nicht berücksichtigt.

Auch was den Schülertransport angeht, stellen die Bedingungen noch längst nicht überall zufrieden. Der Freistaat übernimmt die Kosten für zusätzliche Busfahrten. Dennoch waren zuletzt vielerorts Schulbusse zu voll, von 1,5 Meter Abstand konnte keine Rede sein! Wo bleiben zuverlässig Busse, in denen der Mindestabstand gewahrt werden kann?

Wir fordern hiermit alle Schulträger auf, zügig die von der Staatsregierung bereitgestellten Mittel zu investieren! Luftfilteranlagen sind ohne weiteren Verzug zu ordern sowie zusätzliche Busfahrten zu organisieren!

Um Verzögerungen zu vermeiden, setzen wir uns beim Ministerpräsidenten dafür ein, das Vergaberecht auszusetzen, damit weder Ausschreibungen noch lange Genehmigungsverfahren anfallen.

Nicht nur für die Gesundheit aller Bürgerinnen und Bürger, sondern vor allem für die Bildung unserer Kinder sollten „teure“ Investitionen als preiswert gelten – dies erwarten wir von verantwortlicher Politik. Deutschland hat außer „Hirnschmalz“ keine Rohstoffe!

Wir weisen Sie noch darauf hin, dass uns in den vergangenen Monaten mehrere mittelständische Betriebe aus Bayern angeschrieben haben, die Luftfiltergeräte herstellen und darüber klagen, dass sie an Ausschreibungen erst gar nicht teilnehmen können. Bezieht man diese Unternehmen ein, sollten sich Lieferengpässe in Grenzen halten. Überdies wird die heimische Wirtschaft, die derzeit ebenfalls leidet, gestärkt.

Mit freundlichen Grüßen
Martin Löwe, Landesvorsitzender

(1) https://www.km.bayern.de/allgemein/meldung/7115/foerderung-von-investitionskosten-fuer-technische-massnahmen.html