Unterstützung der Lehrerproteste durch Eltern?

Kultusminister Piazolo hat ein Maßnahmenpaket geschnürt, das im kommenden Schuljahr die Lehrerversorgung an bayerischen Schulen sichern soll. Es sieht vor, dass Lehrkräfte Teilzeit reduzieren, den Antragsruhestand hinausziehen und eine Stunde - die sie später wieder zurück bekommen - in der Woche mehr arbeiten sollen. Zurzeit erreichen uns gehäuft Anfragen, ob Eltern die Proteste der Lehrer gegen dieses Paket unterstützen sollen. Schulleitungen kommen mit diesem Anliegen auf ihre Elternvertreter zu.

Der Landesvorstand des BEV hat sich vor einigen Tagen mit diesem Thema befasst und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht im Interesse von Kindern und Eltern liegt, die Proteste gegen diese Maßnahmen zu unterstützen. Gleichwohl unterstützen wir weiter die Forderungen von Lehrkräften im Hinblick auf eine Eingangsbesoldung nach A13. Auch zu unseren langjährigen Forderungen nach multiprofessionellen Teams und pädagogischen Zweitkräften, zusätzlich zur eigentlichen Lehrkraft, stehen wir weiterhin. Doch weil auch hier der Markt leer ist, stellen Zweitkräfte aktuell keine brauchbare Alternative zu den Maßnahmen des Ministers dar. Und bisher ist leider niemandem etwas Besseres eingefallen.

Quereinsteiger wie in anderen Bundesländern kommen für uns Eltern nicht in Frage. Es kann nicht angehen, dass pädagogisch vollkommen ungeschulte Personen Unterricht erteilen. Im einen oder anderen Fall mag dies zwar gutgehen, gesicherte Unterrichtsqualität sieht jedoch anders aus. Guter Unterricht darf nicht dem Zufall überlassen sein, er braucht ausgebildete Pädagogen. Die GEW schlägt Kürzungen des Stundenplans vor, aber angesichts der allseits beklagten Zunahme von Aufgaben der Schule ist auch dies keine Lösung. Die letzten PISA-Ergebnisse mögen uns eine Warnung sein.

Schon viele Jahre haben wir Eltern mitgetragen, dass die Teilzeitarbeit, insbesondere von Lehrerinnen, eine so hohe Quote erreicht hat, dass in vielen Grundschulklassen die Stelle des Klassleiters auf zwei Personen aufgeteilt ist. Dies ist pädagogisch nicht optimal und für alle Beteiligten organisatorisch unübersichtlich, wurde aber trotzdem von den Eltern akzeptiert. Dass es nun für die Lehrkräfte schmerzhaft ist, nicht mehr alle Wünsche nach Teilzeit, Vorruhestand und Sabbatical erfüllt zu bekommen, leuchtet uns ein. Ebenso aber wünschen wir uns auch von Lehrkräften die Einsicht, dass dieses Entgegenkommen - wie in jedem anderen Arbeitsverhältnis auch - nur dann gewährt werden kann, wenn der betriebliche Ablauf dadurch nicht gefährdet ist. Wenn wie jetzt in den Klassen Lehrer fehlen, ist dieser Zustand erreicht.