Bayerischer Elternverband sieht 10 Jahre nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention noch viele Hemmnisse bei der Inklusion

Man kann trefflich darüber streiten, ob seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention die Inklusion in Bayern überhaupt vom Fleck gekommen ist: Die Anzahl der Schüler in Förderschulen ist nahezu unverändert. Zusätzlich aber haben sich Schüler mit besonderem Förderbedarf an den allgemeinen Schulen vermehrt. Laut Henrike Paede, der stellvertretenden Landesvorsitzenden und Leiterin des Sachgebiets Inklusion im Bayerischen Elternverband, ist dies eine grobe Fehlentwicklung: "Diese Schüler gab es schon immer an allgemeinen Schulen. Nun aber sind sie mit dem Etikett 'förderbedürftig' behaftet", sagt Paede. "Dadurch entsteht aber nicht mehr, sondern weniger Inklusion, denn zuvor hat ihre Inklusion funktioniert, ohne dass es eines besonderen Status bedurfte." Inklusion wäre eigentlich erst dann erreicht, wenn es keinerlei Etikettierung mehr brauche, um Schüler individuell fördern zu können. "Unsere Anforderung an eine gute Schule ist, dass sie individuell auf die Bedürfnisse des durchschnittlichen, des hochbegabten wie des besonders förderbedürftigen Schülers eingeht und dass das System Schule so ausgestattet ist, dass dies selbstverständlich funktioniert. Eine inklusive Schule ist daher immer eine gute Schule." Dazu aber fehle es auch zehn Jahre nach der Ratifizierung der UN-BRK noch an pädagogischen Unterstützungskräften, an Teamarbeit und am Zusammenwirken unterschiedlicher Berufsgruppen. Auch in der sächlichen Ausstattung, der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte sowie bei der Entwicklung einer inklusiven Haltung sei noch viel nachzuholen.

Paede setzt fort: "Seit der Einführung der schulischen Inklusion in Bayern im Jahr 2011 hat sich nichts daran geändert, dass Förderschulen gegenüber der Inklusion besser ausgestattet sind. Wenn Eltern von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf unter diesen Umständen ihr Wahlrecht in Anspruch nehmen und sich für die Förderschule entscheiden, nimmt dies nicht Wunder, gibt es hier doch nach wie vor mehr Pädagogenstunden, mehr Zweitkräfte, mehr Professionen und eine weitaus bessere sächliche Ausstattung."

Dass das Ziel der Inklusion die Minimierung der Schulplätze an Förderschulen sein müsse, kann entgegen anderslautender Meinungen laut Paede nicht ernsthaft in Zweifel gezogen werden. "Diese Ausdünnung kann jedoch nicht stattfinden, wenn die Förderschule ihrer besseren Ausstattung wegen von Eltern bevorzugt gewählt wird." So werde unter Berufung auf die mehrheitliche Entscheidung der Eltern das Weiterbestehen von Förderschulen von den Schulpolitikern gerechtfertigt.

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Der Bayerische Elternverband ist der Verband für alle Eltern in Bayern. Er ist gemeinnützig und an keine Konfession, politische Partei oder Schulart gebunden.

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Stellvertretende Landesvorsitzende
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