Bayerischer Elternverband hält Notprogramm des Kultusministeriums zur Besetzung von Lehrerstellen im Grundschulbereich für nicht tragfähig

Die heutige Pressemitteilung des Kultusministeriums, Nummer 039/2018, zur Situation der Besetzung der Lehrerstellen im Grundschulbereich hält der Bayerische Elternverband e. V. (BEV) für eine Bankrotterklärung. „Sie zeigt, dass das Kultusministerium die jahrelangen und begründeten Warnungen der Eltern- und Lehrerverbände sowie Gewerkschaften vor einem Lehrernotstand nicht ernst genommen hat“, sagt Martin Löwe, Landesvorsitzender des BEV. „Statistisch mag der Unterricht gesichert sein, es gibt jedoch praktisch keine Reserve, wenn eine Lehrkraft ausfällt.“

Die Meldungen von Eltern über Ausfälle häuften sich beim BEV bereits im vergangenen Schuljahr. Dabei handelt es sich nicht nur um gesundheitsbedingte kurzfristige Ausfälle, sondern auch um solche wegen regulärer Pensionierungen oder Elternzeit. Die Mobile Reserve ist vielerorts bereits zu Schuljahresbeginn für den Ersatz langfristiger Ausfälle aufgebraucht. In Folge gibt es zunehmend Ausfälle des regulären Unterrichts in Form von fachfremder Vertretung, Beaufsichtigung durch nichtpädagogisches Personal, unbeaufsichtigte Klassen, bis hin zu temporären Klassenzusammenlegungen oder Verteilungen. Alle diese Formen des Unterrichtsausfalls werden vom Kultusministerium nicht als solche registriert, hier zählt man nur die Fälle, in denen Kinder nach Hause geschickt werden müssen – eine Situation, die Schulleitungen mit Rücksicht auf Eltern und Kinder auf alle Fälle zu vermeiden suchen.

„Es scheint, als sei für das Kultusministerium die Vollzugsmeldung über die Unterrichtsversorgung wichtiger als der Blick auf die real vorhandenen Probleme“, stellt Löwe fest. Die Notwendigkeit, beschäftigungslose Lehrkräfte für Realschulen und Gymnasien unterrichtsbegleitend für die Grundschule nachzuqualifizieren und pensionierte Lehrkräfte einzusetzen, sei hierfür der beste Beweis. „Eine solide Personalplanung sieht anders aus“, unterstreicht Löwe. Hierzu gehörten auch Anreize, auch zur Gewinnung von Lehramtsstudierenden, in Form gleicher Bezahlung der Lehrämter aller Schularten wie auch der Ausstattung der Schulen mit mehr pädagogischen Kräften, damit der einzelne Lehrer entlastet werde und nicht permanent am Rande der Leistungsgrenze arbeiten müsse.

Der Ausbau der Ganztagsangebote, die Umsetzung der Inklusion sowie die stärkere Individualisierung des Unterrichts benötigen zusätzliche Fachkräfte in den Schulen, die nach Ansicht des BEV nicht ausreichend in den Bedarfsprognosen des Kultusministeriums berücksichtigt werden. Der BEV fordert insbesondere die Erhöhung der Lehrerreserven.

„Es wird höchste Zeit, dass die verstärkten Investitionen ins Bildungssystem bei der Schule vor Ort und damit auch für uns Eltern spürbar werden, andernfalls besteht die Gefahr, dass wir das Vertrauen in das staatliche Bildungssystem verlieren“, konstatiert Löwe.


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Der Bayerische Elternverband ist der Verband für alle Eltern in Bayern. Er ist gemeinnützig und an keine Konfession, politische Partei oder Schulart gebunden.

Bei Fragen zu dieser Pressemitteilung wenden Sie sich bitte an
Martin Löwe
Landesvorsitzender Bayerischer Elternverband e. V.
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