Lehrermangel: Hat das Kultusministerium wirklich alles dagegen unternommen?

Während das bayerische Kultusministerium in mehreren Pressemitteilungen versichert, alles unternommen zu haben, um die Lehrerversorgung an Grund-, Mittel und Förderschulen zu sichern, zeichnet sich beim Bayerischen Elternverband ein vollkommen anderes Bild ab: Die Leitungen laufen heiß, Elternbeiräte verfassen offene Briefe an das Ministerium, schreiben dem Ministerpräsidenten oder veranstalten Podiumsdiskussionen zum Thema Lehrermangel. Dies geschieht nicht ohne Grund: Klassen müssen zusammengelegt werden und der Unterricht fällt zuhauf aus.

Als auf dem Höhepunkt des Zustroms von Flüchtlingskindern die Lehrer knapp wurden, hatte das Kultusministerium ein Nachqualifizierungsprogramm für beschäftigungslose Realschul- und Gymnasiallehrer aufgelegt. In Zusammenhang damit gibt es jetzt Verwirrung und Widersprüche. So wirbt das Kultusministerium zwar nach wie vor für diese Maßnahme, doch dann liest man staunend unter "Quereinstieg", es gebe für Grundschulen gar keinen Mangel an Bewerbern! Auch den Hinweis auf fehlende Mittelschullehrer sucht man hier vergebens.

Dass das Ministerium noch vor kurzem von 60 nicht besetzten Stellen sprach, unterstreicht dagegen den durch Eltern wahrgenommenen gravierenden Lehrermangel. Allein heute findet man 21 Stellenausschreibungen bei der Regierung von Oberbayern.

In zwei Merkblättern des Ministeriums ist zu lesen, dass nachqualifizierte Lehrer nach der Umschulung verbeamtet werden könnten. Doch dem widersprach unlängst Regierungsdirektor Alois Babinger (Niederbayern) auf einer Podiumsdiskussion. Da es sich nur um eine vorübergehende Notsituation handle, sichere man weder Verbeamtung noch Festanstellung noch Höhergruppierung zu. Dies geht auch aus den Websites Rubrik "Nachrückverfahren" der Regierungen von Niederbayern und Oberbayern hervor.

„Abgesehen von all diesen Widersprüchen liegt auf der Hand, dass ein Einstiegsgehalt mit der Besoldungsgruppe E 11 ohne Aussicht auf Festanstellung oder Verbeamtung nicht ausreicht, um den momentan erlebbaren Engpass zu beheben“, sagt der Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands, Martin Löwe. So müsse man sich nicht wundern, dass von den rund 1000 Bewerbern aus Österreich, die die niederbayerischen Schulbehörden für den bayerischen Schuldienst interessieren konnten, nur einer angestellt wurde. „Um dem jetzigen Lehrermangel abzuhelfen, müssen die Anreize deutlich größer gestaltet werden“, mahnt Löwe.

Kontraproduktiv für die Gewinnung neuer Kräfte sei auch, dass laut Stellenausschreibungen die Einstellungsnote schon zum kommenden Schuljahr wieder auf 3,5 angehoben werden soll. Löwe schließt: „Bisher hat uns das Kultusministerium keine Antwort auf die Frage gegeben, welche Informationen richtig sind. Wir bezweifeln, dass alle Anstrengungen unternommen werden, um sämtliche Stellen zu besetzen und vermissen eine Strategie, die weiter in die Zukunft reicht als nur bis zum Ende des Schuljahres.“


***

Der Bayerische Elternverband ist der Verband für alle Eltern in Bayern. Er ist gemeinnützig und an keine Konfession, politische Partei oder Schulart gebunden.

Bei Fragen zu dieser Pressemitteilung wenden Sie sich bitte an
Henrike Paede
Stellvertretende Vorsitzende
henrike.paede(at)bayerischer-elternverband.de
Tel.: 0821 437196