Bildungspaket ist nur ein Bildungspäckchen

Elternverband kritisiert die fehlgeleitete Kindergrundsicherung der Bundesregierung.

Die Bundesregierung will Kinder aus Hartz-IV-Familien mit einem Bildungspaket unterstützen. Es enthält zehn Euro pro Monat für den Beitrag zum Sport- oder Musikverein, dazu 30 Euro im Jahr für Kita- und Schulausflüge und einen Zuschuss zum Mittagessen in Schule oder Kita. Nachhilfe kann zusätzlich beantragt werden. Alle Leistungen gibt es nicht bar, sondern voraussichtlich als Gutschein.

"Das ist eine Entmündigung der Eltern. Mit den Gutscheinen unterstellt ihnen die Regierung, sie würden Geld nicht für ihr Kind verwenden", sagt Maria Lampl, die Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands. "Außerdem ist das Bildungspaket ungerecht und kommt kaum bei denen an, die es am nötigsten haben." Den Zuschuss zum warmen Mittagessen gebe es derzeit von der Staatsregierung und den Kommunen. Es sei zu befürchten, dass diese sich nun aus der Finanzierung zurückziehen würden. "Längst nicht überall gibt es warmes Mittagessen in der Schule - auch das ist ungerecht." Der Zuschuss zu Ausflügen sei die einzige Verbesserung.

Beiträge zu Sportvereinen und Musikunterricht dagegen seien ein Geschenk mit Folgekosten, sagte Lampl. Nur wer sich zusätzlich Fußballschuhe oder gar ein Klavier leisten können, habe etwas davon. "Für Familien mit wenig Geld ist das nicht drin", sagt Lampl. "Die haben ja nicht einmal das Fahrgeld, damit die Kinder zu den Übungsstunden fahren können." Hier werde die Bundesregierung vermutlich sparen, weil die Zuschüsse nicht abgerufen werden.

Der Zuschuss zum Nachhilfeunterricht sei absurd. "Die ohnehin überlasteten Mitarbeiter der Jobcenter sollen nun auch noch entscheiden, welches Kind Nachhilfe bekommt. Derzeit gibt es Nachhilfe nur bei langer Krankheit oder bei einem Todesfall in der Familie, aber nicht, wenn das Hartz-IV-Kind sitzenzubleiben droht; daran werden sie sich bei ihrer Entscheidung weiterhin halten." Das helfe armen Kindern nicht aus der strukturellen Benachteiligung.

Der Bayerische Elternverband fordert die Staatsregierung auf, auch den Kindern aus armen Familien bessere Bildung anzubieten, als die Bundesregierung sie plant. "Hier könnte sich der Bildungsföderalismus endlich einmal als vorteilhaft erweisen. Bayern braucht viel mehr Ganztagsschulen, mit Sport und musischen Angeboten für alle Kinder und mit echter individueller Förderung, die privaten Nachhilfe überflüssig macht - für alle Kinder."