LehrplanPLUS für die Grundschule

Stellungnahme zum Entwurf des LehrplanPLUS für die Grundschule vom 9.12.2013

Sehr geehrter Herr Ministerialdirektor Dr. Peter Müller

aus Sicht des Bayerischen Elternverbands ist der LehrplanPLUS für die Grundschule ein Gewinn. Die Bildungsleitlinien bereiten den Weg zum kompetenzorientierten Lernen in heterogenen Lerngruppen. Die Orientierung an den Stärken der Kinder ist zu begrüßen. Wir wünschen uns, dass die Rahmenbedingungen dem hohen Anspruch des Lehrplans angepasst werden, damit die Lehrpersonen[1] ihn umsetzen können. Wesentlich scheint uns neben der besseren Ausstattung mit pädagogischem Personal eine neue Form der Leistungserhebung und -bewertung. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Wir sehen jedoch noch einige Defizite und schlagen folgende Änderungen und Ergänzungen vor.

 

1. Inklusion

Inklusion ist im Lehrplan zu wenig berücksichtigt. Die einschlägigen Hinweise wirken wie nachträglich eingefügt. Was in den Bildungsleitlinien angelegt ist - nämlich dass Inklusion alle Kinder betrifft, nicht nur die Kinder mit Behinderung - greift der Lehrplan an anderer Stelle zu selten auf. Beim Punkt „Lernen und Leistung“ (S. 18) zeigt sich das an folgender Formulierung:

„Für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf bieten die Lehrpläne für den Förderschwerpunkt Lernen sowie für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung differenzierte Möglichkeiten für Kompetenzerwartungen.“

Das ist zu kurz gedacht. Lehrpersonen könnten in Versuchung sein, Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf von vornherein nach einem weniger anspruchsvollen Lehrplan zu unterrichten und ihnen damit Entwicklungschancen zu nehmen. Ein Lehrplan, der alle Kinder im Blick hat, verhindert das. Der Unterschied darf nicht in den Erwartungen (Lehrplan!) an die Kinder liegen. Er muss sich bei den Lernmethoden zeigen und bei der Frage, was an Unterstützung nötig ist, damit Kinder mit Behinderung an derselben Aufgabe arbeiten können wie andere Kinder. Die vermeintliche Trennungslinie verläuft dabei nicht unbedingt zwischen Kindern mit und ohne Behinderung, sie muss in heterogenen Gruppen immer wieder neu gezogen werden.

 

2. Übergang von der Kita zur Grundschule

Auf S. 23 heißt es:

Mit Einwilligung der Eltern arbeiten die Lehrpersonen mit externen Experten und Pädagogen aus früher besuchten Institutionen zusammen, um die Bedürfnisse einzelner Kinder frühzeitig zu erkennen und darauf einzugehen.

Diese Einwilligung gäben die meisten Eltern wohl leichter, wenn sie wüssten, was bei diesen Kontakten über ihr Kind gesprochen wird. Wir schlagen vor, den Satz um den Hinweis zu ergänzen, dass sich dafür besonders gut Runde Tische eignen, an denen auch die Eltern sitzen.

 

3. Fertigkeiten

·         Wir schlagen vor, an geeigneter Stelle das Tastschreiben aufzunehmen.

·         Wir schlagen vor, die Grundschrift als Alternative zuzulassen.

 

Wir wünschen der Optimierung des LehrplansPLUS viel Erfolg.

 

Mit freundlichen Grüßen

Maria Lampl

(Landesvorsitzende)

 


[1] Ihre Formulierung. Konsequent wären dann auch Lernpersonen.