Besser nicht sitzenbleiben

Wiederholung eines Schuljahrs ist sinnlos und teuer.

Am kommenden Freitag gibt es in Bayern das Jahreszeugnis. In zu vielen Zeugnissen steht "nicht versetzt". Weil entgegen landläufiger Meinung das Sitzenbleiben so gut wie nie etwas nützt, rät der Bayerische Elternverband den Schülern und ihren Eltern, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das Sitzenbleiben doch noch zu verhindern. "Was nützt es dem Schüler, zehn Fächer, in denen seine Leistung ordentlich war, noch einmal ein ganzes Jahr lang durchzukauen, nur weil er in Geschichte und Englisch Lücken hat?", fragt Maria Lampl, die Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands.

Sitzenbleiben sei zur Leistungsverbesserung nachweislich sinnlos und volkswirtschaftlich ein Fehler. Weil im Wiederholungsjahr alles bekannt scheine, nähmen die Wiederholer den Unterricht nicht ernst. "Spätestens im Jahr nach dem Wiederholungsjahr sind sie dann schlechter als vorher." Sitzenbleiben sei darüber hinaus teuer. Abhängig von der Schulart koste es den Staat pro Schüler und Jahr zwischen 4000 und 6000 Euro. "Für den Betrag könnten Schüler problemlos ein Jahr lang individuell gefördert werden", sagt Lampl. Die zusätzlichen Kosten für die betroffenen Familien lägen mit etwa 600 Euro pro Monat noch darüber. Der Schaden, den das Sitzenbleiben bei den Schülerinnen und Schülern anrichte, werde zudem unterschätzt: Wer sich als Versager fühle, verliere sein Selbstbewusstsein und lerne schlechter. Wer sich seinen Platz in einer neuen Klasse erkämpfen müsse, habe über Monate den Kopf nicht für Vokabeln und Prozentrechnen frei.

Eltern, die mit dem Zeugnis unzufrieden sind, sollten sich so sofort an Klassenlehrer, Beratungslehrer oder Schulleitung wenden oder an die Schulberatung ihres Regierungsbezirks. Die Adresse finden sie auf der Website der staatlichen Schulberatung.