Deutsches Ausleseschulsystem äußerst erfolgreich

Der heute vorgestellte Bildungsbericht 2010 zeigt wieder einmal das Ausmaß der deutschen Bildungskatastrophe: die Zahl der jungen Erwachsenen zwischen 20 und 30 Jahren ohne Berufsabschluss ist auf einen Höchststand von 17 % gestiegen. Die Auslese funktioniert so nachhaltig, dass unser Schulsystem ein Heer von Hilfsarbeitern hervor bringt, die in der Arbeitswelt überflüssig sind.

Das ist die Folge eines Aus- und Umsortierungssystems, das ganze Bevölkerungsgruppen durchs Raster fallen lässt, so Maria Lampl, die stellvertretende Vorsitzende des BEV. „Unser Schulsystem ist mit mindestens 16 verschiedenen Schularten alleine in Bayern so kompliziert, dass selbst Akademiker Schwierigkeiten haben, die Vielzahl der möglichen Auf-, Um- und Abstiege mit den verschiedensten Abschlüssen zu überblicken.“

Überraschend ist auch nicht, dass besonderes viele junge Menschen mit Migrationshintergrund unter den Bildungsverlierern sind. In einem Schulsystem, das die Kinder in großen Teilen mittags nach Hause schickt und auf andauernde Mit- und Nachhilfe der Eltern baut, müssen Kinder aus bildungsfernen und nicht deutschsprachigen Familien den Anschluss verlieren.

Deshalb kämpfen wir seit vielen Jahren für eine am Kind orientierte Gemeinschaftsschule, die ganztägige umfassende Bildung ermöglicht. Schule muss, um mehr als Frontalunterricht bieten zu können, Lebensraum sein. Dafür müssen Bund und Länder ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung stellen anstatt auf Bildungsgipfeln hohle Phrasen auszutauschen und sich zu Lasten unserer Kinder in Föderalismusstreitigkeiten zu verlieren.