Programm

zum öffentlichen Teil der BEV-Landesversammlung
am 9. Mai 2015 in der Mittelschule Würzburg-Heuchelhof

Thema der Landesversammlung:

Die Schule im Dorf lassen

Beispiele für eine zeitgemäße und wohnortnahe Schule für alle Kinder

10.00 UhrBegrüßung durch den BEV-Landesvorsitzenden Herrn Martin Löwe
 
Grußworte
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Frau Dr. Christine Bötsch, Fraktionsvors. CSU in Vertretung von Herrn OB Christian Schuchardt
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Herr Schulamtsdirektor Erwin Pfeuffer, Fachlicher Leiter der Staatl. Schulämter Würzburg Stadt/Land
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Herr Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes
 
10.30 Uhr

Herr Bernd Kellner, Rektor der Mittelschule Würzburg-Heuchelhof
„Erfahrungen mit der Mittelschule in allen Bereichen“
 
11.00 Uhr

Herr Roland Grüttner, Rektor der Montessori-Schule Dachau
„Die Gemeinschaftsschule als ein Angebot mit vielen Chancen“
 
11.45 UhrDiskussion – Fragen – Antworten
 
12.30 UhrVerabschiedung durch den BEV-Landesvorsitzenden Martin Löwe
Get-together in der Aula

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Begrüßung durch den BEV-Landesvorsitzenden

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Die Gemeinschaftsschule - ein Angebot mit vielen Chancen

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Pressemitteilung des BEV vom 11. Mai 2015

Landesversammlung des Bayerischen Elternverbands nimmt gute Schulkonzepte in den Fokus

„Die Schule im Dorf lassen - Beispiele für eine zeitgemäße und wohnortnahe Schule für alle“ - unter diesem Titel fand am 9. Mai in Würzburg die Landesversammlung des Bayerischen Elternverbands (BEV) statt. Schon seit vielen Jahren stellt der BEV zu diesem Anlass beispielhafte Schulkonzepte vor. In seiner Eingangsrede legte der Landesvorsitzende Martin Löwe dar, unter welchem Druck Kinder, Eltern und Lehrer im herrschenden Schulsystem stünden. „Dem muss eine Schule entgegengesetzt werden, in der jedes Kind in seinem eigenen Tempo gefördert wird und wo die Anforderungen des Lehrplans keinen höheren Stellenwert haben als Neigungen und Interessen der Kinder. Selektion darf erst zu einem weitaus späteren Zeitpunkt stattfinden und nicht nach dem sozioökonomischen Hintergrund, sondern nach tatsächlichen Begabungen“, setzte er hinzu.

Bernd Kellner, Rektor der gastgebenden Mittelschule am Heuchelhof, stellte sodann die Arbeit seiner eigenen Schule vor, die bewusst versuche, jeden Schüler persönlich bei der Hand zu nehmen. Er nannte die Mühen seiner Schule, das Selbstbewusstsein von Kindern wieder aufzubauen, die an Realschule oder Gymnasium gescheitert waren und berichtete beispielhaft, wie Schüler auch noch im ersten Lehrjahr von der Schule begleitet werden, um zu verhindern, dass sie ihre Ausbildung abbrechen.

Die Initiative Bildung am Limes, vorgestellt durch Roland Grüttner und Alfons Weber, ging bei ihrer Gründung zunächst nicht von einem pädagogischen, sondern einem kommunalpolitischen Ansatz aus. Ursprünglich aus Sorge um den Erhalt der Schulen in Denkendorf und Kipfenberg entstanden, erkannte man schon bald auch die pädagogischen Vorteile dessen, die Kinder nicht frühzeitig auf verschiedene Schularten aufzuteilen und deswegen immer genügend Schüler zu haben, um „die Schule im Dorf lassen“ zu können. Überzeugend belegte Roland Grüttner mit Material der Pisa-Studie und des Statistischen Landesamtes, dass eine Gemeinschaftsschule nicht nur als Standortfaktor für die Kommunen, sondern auch in pädagogischer Hinsicht sinnvoll sei und betonte mit Blick auf die ablehnende Haltung der Regierungspartei, dass jene das bayerische Schulsystem nicht umstürzen, sehr wohl aber im Sinne der geforderten Vielfalt bereichern und ergänzen würde. Er zitierte die Aufforderung von Kultusminister Spaenle an die Kommunen, sich passgenaue Schulkonzepte zu entwerfen. Im Widerspruch hierzu waren die Anträge auf Gemeinschaftsschulen vom Ministerium jedoch abgelehnt worden.

In der abschließenden Diskussion war zu erkennen, dass das Konzept einer inklusiven Schule - die eine Gemeinschaftsschule immer ist - bei Vertreten von Gymnasium und Realschule nicht wirklich bekannt ist. Deshalb fällt es dort schwer, außerhalb der hierzulande etablierten Schularten zu denken.

Martin Löwe beschloss die Veranstaltung mit Dank an die Referenten und Gäste und in der Hoffnung, dass das Wissen, wie gute Schulen funktionieren, sich weiter verbreite. Hierfür werde der BEV sich auch in Zukunft mit ganzer Kraft einsetzen.

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Pressebericht der Main-Post vom 11. Mai 2015

Die Schule im Dorf lassen

Es war vor allem ein Thema, das die Teilnehmer bei der Landesversammlung des Bayerischen Elternverbandes (BEV) in der Mittelschule am Heuchelhof in Würzburg umtrieb: Der Druck, der mehr und mehr auf den Kindern in Grundschulen lastet. Dass die Selektion nach der vierten Klasse viel zu früh stattfindet, darüber waren sich die Teilnehmer mit dem BEV-Landesvorsitzenden, Martin Löwe, einig.

„Die Schulen müssen den Kindern passen, nicht die Kinder den Schulen!“, erklärte Löwe kämpferisch. Und: „Wir alle haben Besonderheiten und Bedürfnisse und deshalb sollten alle Kinder die Chance auf optimale Bildung haben.“ Doch leider, so Löwe, sehe der bayerische Bildungsweg ganz anders aus. Dort halte man am System Selektierung und Druck durch Noten fest. Und das, obwohl es dafür keine Gründe gebe.

Belegt wurde dies von Referenten, die mit Statistiken aus verschiedenen Fach- und Forschungsbereichen ihre Forderung nach mehr Gemeinschaftsschulen und längeres gemeinsames Lernen untermauerten. Doch was hat der Übertrittsdruck mit Gemeinschaftsschule zu tun?

Die Initiative „Bildung am Limes“ aus Dachau konnte das anhand eigener Projekte erklären. In Denkendorf und im benachbarten Dorf Kipfenberg etwa haben sich Bürger und Gemeinderat gleichermaßen für eine gemeinsame Schule starkgemacht, das Konzept steht, vor Ort ist alles geregelt. Doch die Euphorie, so erklärte Roland Grüttner, Rektor der Montessori-Schule Dachau und Sprecher der Initiative, sei schnell in Frust umgeschlagen. Denn der Antrag beim Kultusministerium wurde abgelehnt.

Ob Schulprojekte wie dieses in Bayern realisiert werden können, hänge letztlich vom Willen der Staatsregierung und des bayerischen Kultusministeriums ab. Dort steht man Gemeinschaftsschulen, die keine Selektion nach der vierten Klasse vorsehen, besonders kritisch gegenüber. Für die Opposition im Landtag ist das Thema indes schon angesichts des demographischen Wandels und sinkender Schülerzahlen im ländlichen Raum längst ein brennendes Thema. Die Grünen etwa haben gerade ein Antragspaket zur Bestands- und Qualitätssicherung von kleinen Grundschulen im ländlichen Raum in den Landtag eingebracht. Der Erhalt wohnortnaher Grundschulen sei eine hohe Herausforderung für die Bildungspolitik.

Die Grünen fordern auch 400 neue Grundschullehrkräfte, ohne die vor allem kleine Außenstellen pädagogisch verhungern würden. Diese Meinung teilt in Würzburg auch Schulamtsdirektor Erwin Pfeuffer. „Die berechtigte Forderung nach optimaler Förderung muss im gleichen Atemzug mit einer Aufstockung des Personals genannt werden!“ Der scheidende Präsident des Bayerischen Lehrerverbandes, Klaus Wenzel, erklärte, der demographische Wandel lasse in den nächsten Jahren gar nichts anderes zu, als ein längeres gemeinschaftliches Lernen an wohnortnahen gemeinsamen Schulstandorten. Vor allem in Unter- und Oberfranken, so wurde deutlich, wird es zu einem dramatischen Bevölkerungsschwund kommen. Auf dem bitteren ersten Platz in Bayern steht der Landkreis Rhön-Grabfeld. Grundsätzliche Fragen zur schulischen und regionalräumlichen Organisation von Grundschulen müssen angesichts dessen dringend diskutiert werden.

Wie es gelingt, eine Schule zu einem Lebens- und Lernraum zu machen, in dem soziale Kompetenz schwerer wiegt als Fachwissen, erklärte der Rektor der gastgebenden Mittelschule Heuchelhof, Bernd Kellner. Weiterkämpfen – Schritt für Schritt! Diesen Appell nahmen die Mitglieder mit nach Hause.

Quelle: mainpost.deMain-Post
Autor: Melanie Jäger
Herzlichen Dank für die Genehmigung des Abdrucks.

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