„Wie gute Schulen funktionieren – Beispiele aus der Praxis“

Anlässlich seiner Landesversammlung 2014 hatte der Bayerische Elternverband e.V. (BEV) am 17. Mai nach München eingeladen, um Beispiele für gute Schulen vorzustellen, die schon jetzt nach den Erkenntnissen moderner Lernforschung arbeiten. Drei innovative Münchener Schulen stellten ihre schulische Praxis vor: die Grundschule an der Ichostraße, die städtische Anne-Frank-Realschule und die städtische Willy-Brandt-Gesamtschule.

BEV-Landesversammlung 2014 in der Grundschule an der Ichostraße, München

Wie schwierig es gerade in einer multikulturellen Großstadt wie München ist, den Schulen die richtigen Rahmenbedingungen für innovativen Unterricht bereitstellen zu können, aber auch wie sehr hierfür seitens der Verantwortlichen in den Schulbehörden, den Pädagogen und den Elternvertretern gerungen wird, zeigte sich schon in den Grußworten von Stadtrat Dr. Reinhold Babor, der fachlichen Leiterin des staatlichen Schulamtes München, Frau Alexandra Brumann, sowie dem Vorsitzenden des gemeinsamen Elternbeirates der Grund- und Mittelschulen in der Landeshauptstadt München, Herrn Michael Streit.

Die gastgebende Grundschule an der Ichostraße, oberbayerische i.s.i.-Preisträgerin für innere Schulentwicklung 2014, zeigte auf, wie trotz einer äußerst heterogenen Schülerschaft das Ziel, selbstbewusste und verantwortungsvolle Kinder zu erziehen, die Spaß am Lernen haben, erreicht werden kann. Durch das Interesse und Engagement der Lehrer wird Verständnis für Kinder unterschiedlichster Herkunft und Begabung gezeigt und dadurch das Mit- und Füreinander gestärkt. Individualisierter, projektbezogener Unterricht, eigenständiges Arbeiten und Lernen sowie das Entdecken und Fördern von Stärken der einzelnen Schüler ermöglichen den Kindern die bestmögliche Vorbereitung für ein lebenslanges Lernen. Schulleiter Martin Rothenaicher hob dabei hervor, dass der Schwerpunkt der Schule, die Sozialerziehung, durch die verschiedenen Ganztagsangebote, bei denen eine intensive Zusammenarbeit von Lehrern und Erziehern des angeschlossenen Tagesheims gepflegt wird, besonders erfolgreich umgesetzt werden kann.

Für die städtische Anne-Frank-Realschule, eine reine Mädchenrealschule, stellte Simone Schild, die stellvertretende Schulleiterin, zusammen mit 2 Schülerinnen und der Verbindungslehrerin das innovative Konzept des Technikschwerpunktes vor: Mädchen sollen insbesondere in naturwissenschaftlichen Fächern gefördert werden, um durch engen Praxisbezug mehr Interesse für technische Berufe zu entwickeln. Ganztagsklassen ermöglichen auch hier viel Raum für zeitgemäße pädagogische Konzepte. Im Zentrum dieser Konzepte steht die einzelne Schülerin, die z. B. in „Lernhäusern“ eigenverantwortlich und in ihrem eigenen Tempo themenbezogene Lerneinheiten selbst erarbeiten kann. Regelmäßige Lerngespräche zwischen Schülerin und Klasslehrerin fördern die Fähigkeit zur richtigen Selbsteinschätzung durch intensive Reflexion. Die Mädchen wirkten bei der Vorstellung sehr selbstbewusst und überzeugend mit: „Sich selber etwas beibringen, das hält länger vor“ -  „Ohne mein Logbuch käme ich schon gar nicht mehr zurecht“. Mit diesen Aussagen bestätigten sie, dass das neue Konzept auch bei den Schülerinnen ankommt. In den „Logbüchern“ dokumentieren die Schülerinnen ihr gesamtes Lernen: selbstgesteckte Ziele, den Weg dorthin und den Grad des Erreichens, die Befindlichkeit dabei, Unterrichtsnotizen, Lob, Kritik sowie Mitteilungen an die Eltern.

Noch mehr von dem, was der BEV seit vielen Jahren fordert, wird an der städtischen Willy-Brandt-Gesamtschule bereits umgesetzt. Schulleiterin Cornelia Folger und Michael Peter zeigten auf, dass in dieser „Schule der besonderen Art“ angstfreies und somit erfolgreiches Lernen der Kinder im Mittelpunkt steht. Hier wird ein gemeinsames Lernen bis zur 7. Klasse praktiziert und den Schülerinnen und Schülern somit der Druck genommen, sich für eine bestimmte Schulart (Gymnasium, Realschule oder Mittelschule) frühzeitig entscheiden zu müssen. Durch weitgehend projektbezogenen, fächerübergreifenden Unterricht, jahrgangsstufenübergreifende „Lernhäuser“, selbstbestimmtes Lernen mit der „Lernlandkarte“ und dem Punktekonto sowie Reflexion und Lob, sollen die Kinder sich beim Lernen als erfolgreich erleben und die Zeit bekommen, die sie individuell für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit und ihrer Begabungen benötigen. Auch hierbei sind die Ganztagsangebote ein unverzichtbarer Baustein. Einen ganzheitlichen Blick auf das einzelne Kind ermöglicht ein gut zusammen arbeitendes Kollegium aus Lehrern, Sozialpädagogen, Schulpsychologen, Erziehern und Förderlehrern. Die eigentlich für alle Schulen geltende Forderung nach Umsetzung von Inklusion wird hier nicht nur ernst genommen, sondern tatsächlich in einer sehr umfassenden Art umgesetzt. Deshalb wurde dieser Schule 2009 die Auszeichnung „Anerkannte Unesco-Projekt-Schule“ verliehen.

„Ich freue mich, dass wir Ihnen anhand dieser Schulen wieder einmal zeigen konnten, dass die Konzepte, die der BEV seit seiner Gründung 1968 für ein kindgerechtes und damit nachhaltiges Lernen fordert, wirklich erfolgreich umgesetzt werden können“, so die Landesvorsitzende Maria Lampl zum Schluss. „Leider sind es in Bayern immer noch viel zu wenig Schulen, die unseren Kindern diese Möglichkeiten eröffnen. Der BEV wird also weiterhin viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit leisten müssen.“

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