Bayerischer Elternverband fordert langfristige und einheitliche Lösung für den digitalen Unterricht

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Das Kultusministerium hat erkannt, dass allerspätestens jetzt etwas getan werden muss, damit der digitale Unterricht in die Gänge kommt, und hat deswegen den Schulen Microsoft Teams zur Verfügung gestellt.

Allerdings fragt sich der Bayerische Elternverband (BEV), was der Freistaat all die Jahre unternommen hat, um sein hochgelobtes Mebis real so fit zu machen, wie er es immer schon angepriesen hat. Das Ausweichen auf den externen Anbieter Microsoft wirkt wie das Eingeständnis, dass Mebis nicht so optimal ist, wie es dargestellt wurde - oder dass man den rechtzeitigen Ausbau verschlafen hat.

Martin Löwe, Landesvorsitzender des Bayerischen Elternverbands, hat mit MS-Teams datenschutzrechtliche Bedenken. Lehrkräfte wie auch SchülerInnen sollten deshalb staatlicherseits Geräte bekommen, damit nicht private oder gar beruflich genutzte Geräte der Eltern verwendet werden müssen.

Nach Ansicht des Bayerischen Elternverbands liegt die eigentliche Herausforderung für den interaktiven Fernunterricht weniger in der Technik als vielmehr in der Motivation der Lehrkräfte. Er fragt sich, warum sich das Kultusministerium einmal mehr ziert, klare Vorgaben zu machen, wie hier: "Lehrkräfte können zur dienstlichen Nutzung von Teams verpflichtet werden, soweit sich diese Verpflichtung nicht auf private Geräte der Lehrkraft erstreckt. Diese Verpflichtung betrifft jedoch nicht den Umfang der Nutzung. Folglich ist damit auch keine Verpflichtung verbunden, die Videostreamfunktion zu nutzen und das eigene Bild an Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer zu übertragen."(*) Solche Formulierungen seien geradezu eine Einladung, die Technik nicht zu nutzen.

Löwe kritisiert außerdem, dass ausgerechnet die Grundschulen kein Werkzeug für Videokonferenzen bekommen. "Grundschüler haben die intensivste persönliche Beziehung zu ihren Lehrkräften, Gerade für Sie wäre es wichtig, ihre Lehrkräfte und Klassenkameraden auch sehen zu können."

Warum der Freistaat nicht lieber in den funktionellen und kapazitiven Ausbau von Mebis investiere, ist für den BEV unverständlich. Zumindest soll jetzt parallel zur vorübergehenden Nutzung von Teams der dauerhafte Ausbau von Mebis vorangetrieben werden. "Es ist dringend notwendig, zu einem einheitlichen System zu kommen - die Eltern haben den Überblick über die vielen derzeit verwendeten Instrumente verloren", sagt Löwe. Seiner Meinung nach sollte in Mebis eine Videokonferenzfunktion und ein Schule-Eltern-Informationssystem integriert, die Serverkapazitäten ausgebaut und - wichtig! - das System benutzerfreundlicher gestaltet werden. Mit der verpflichtenden Schulung aller Lehrkräfte zu Mebis in Verbindung mit klaren Dienstanweisungen zur verbindlichen und nachweisbaren (dokumentierten) Nutzung sollte dann der digitale Unterricht zufriedenstellend und datenschutzkonform zu leisten sein. Dazu gehöre selbstverständlich auch, dass dem Unsinn von lehrerseits gescannten, versendeten und von den Schülern ausgedruckten, ausgefüllten, wieder gescannten und zurückgesandten PDFs ein Ende bereitet wird, zugunsten von z. B. interaktiven PDFs.

(*) Quelle: https://www.km.bayern.de/download/23186_StMUK_Schritte_zur_Nutzung_von_MS_Teams_200513.pdf

***

Der Bayerische Elternverband ist der Verband für alle Eltern in Bayern. Er ist gemeinnützig und an keine Konfession, politische Partei oder Schulart gebunden.

Bei Fragen zu dieser Pressemitteilung wenden Sie sich bitte an
Henrike Paede
Stellvertretende Landesvorsitzende
henrike.paede(at)bev.de
Tel.: +49 172 8311684
www.bev.de